WM13
Schweizer nicht zu bremsen
publiziert: Montag, 6. Mai 2013 / 18:35 Uhr / aktualisiert: Montag, 6. Mai 2013 / 22:43 Uhr

Das Schweizer Nationalteam lässt die Eishockey-Welt an der WM in Stockholm weiter staunen. Nach Gastgeber Schweden und Olympiasieger Kanada bezwang das Team von Sean Simpson auch den zwölffachen Weltmeister Tschechien. Nach dem 5:2 ist die Schweiz Leader der Gruppe A.

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«Ich habe die Schweiz noch nie so stark gesehen wie an diesem Turnier.» Das Kompliment des tschechischen Trainers Alois Hadamczik in Anschluss an die Partie mag zwar etwas übertrieben gewesen sein, eine Spur Wahrheit steckt aber trotzdem drin. Als Team funktionierte zumindest in der jüngeren Vergangenheit vermutlich noch nie ein Schweizer Nationalteam derart gut. Abgeklärt und mit einer Selbstverständlichkeit einer Siegermannschaft bezwang sie innerhalb von vier Tagen den dritten «Grossen». Drei Top-Sechs-Nationen hat die Schweiz an einer Weltmeisterschaft noch nie besiegt.

Der zweite WM-Erfolg gegen die Tschechen in Folge (nach dem 3:2 2010 in Mannheim) war verdient - wie bereits die Erfolge gegen Schweden und Kanada. Nachdem sie im zweiten Drittel vorübergehend einen 0:2-Vorsprung hergegeben hatten, erzielte Simon Moser in der 46. Minute (mit dem Schlittschuh) das wegweisende 3:2. Die WM-Neulinge Simon Bodenmann (54.) und Reto Suri (60./ins leere Tor) mit ihren ersten WM-Treffern vollendeten den Triumph, welcher die Schweiz ganz nahe an den ersten Viertelfinal-Einzug seit drei Jahren bringt.

Von einem «Traumstart» hatte Simpson bereits nach dem Sieg gegen die Kanadier gesprochen. Nun fand er kein passendes Wort mehr: «Das ist sicher mehr, als wir erwarten durften. Wir hätten auch von einem guten WM-Start sprechen können, wenn wir in diesen drei Spielen einen Sieg geschafft hätten. Nun haben wir drei. Das ist sensationell.»

44 WM-Titel vereinen Schweden, Kanada und Tschechien. Und gegen die drei Auswahlen, die mit Stars aus der NHL nur so gespickt sind, lagen die Schweizer an diesem Turnier während nur gerade knapp sechs Minuten (gegen Kanada) im Rückstand. «Wir wussten, dass das Startprogramm ein Vorteil sein kann, weil unsere Gegner viele Spieler aus Nordamerika einbauen mussten. Das haben wir nun ausgenutzt», sagte Captain Mathias Seger.

Team ohne Schwächen

Die Schweizer präsentieren sich an dieser WM bisher als Mannschaft ohne wirklichen Schwächen. Torhüter Reto Berra, der wie erwartet zu seinem ersten Einsatz an diesem Turnier gelangte, stand seinem «Vorgänger» Martin Gerber in nichts nach und hielt mit 37 Paraden stark. Bei den beiden Gegentreffern, beide kassiert von seinem designierten Teamkollegen in der NHL, Jiri Hudler von den Calgary Flames, war er machtlos.

In der Mittelzone standen die Schweizer erneut kompakt. Sie liessen dem technisch versierten WM-Dritten des Vorjahres wenig Raum zur Entfaltung und schirmten ihren Keeper (meist) erfolgreich ab. «Die Gegner haben Mühe, in der Mittelzone durchzukommen», fand Simon Bodenmann. Vorne zeigten sie sich «unschweizerisch» effizient (3 Tore aus 7 Schüssen im letzten Drittel). Und erstmals an diesem Turnier klappte auch das Powerplay: Andres Ambühl schloss Ende des ersten Abschnitts eine gradlinige Kombination über wenige Stationen mit einem Direktschuss zur 1:0-Führung ab.

Etwas überraschend spielte auch die Kraft keine Rolle. Denn während die Schweizer eine harte Partie gegen Kanada in den Beinen hatten, traten die Tschechen nach einem spielfreien Tag ausgeruht an. Im Gegenteil: Nach dem Effort der Tschechen im mittleren Drittel gelang es den Schweizern, noch einmal zuzulegen. «Nach dem 2:2 dachte ich, unsere Beine könnten eventuell nicht mehr mitmachen», so Simpson zu der heiklen Phase. «Doch die Mannschaft zeigte einen enormen Willen im letzten Drittel.»

Nach Ruhetag gegen Slowenien

«Es waren drei anstrengende Partien, aber die drei Siege machen das Ganze einfacher. Ich glaube, wir können noch besser spielen», so Bodenmann. Nach einem Ruhetag geht es für die Schweizer morgen (Mittwoch) mit dem Duell gegen Aufsteiger und Olympia-Teilnehmer Slowenien weiter. Danach folgen als letzte Gegner in der Vorrunde der Reihe nach Dänemark, Norwegen und Weissrussland.

In die Partien gegen die vermeintlich «Kleinen» der Gruppe A steigen die Schweizer als ungeschlagener Tabellenführer. Die Viertelfinals können die zum Favoritenschreck avancierten Schweizer zumindest theoretisch immer noch verpassen. Nach den entzückenden und überzeugenden Auftritten scheint dies aber momentan sehr unwahrscheinlich.

Schweiz - Tschechien 5:2 (1:0, 1:2, 3:0)
Globe Arena, Stockholm. - 3537 Zuschauer. - SR Croft/Ronn (USA/Fi), Suominen/Woodworth (Fi/USA). - Tore: 18. Ambühl (Gardner, Josi/Ausschluss Caslava) 1:0. 27. Niederreiter (Simon Moser, Martin Plüss) 2:0. 34. Hudler (Tlusty, Voracek/Ausschluss Martin Plüss) 2:1. 40. (39:12) Hudler (Irgl) 2:2. 46. Simon Moser (Martin Plüss) 3:2. 54. Bodenmann (Hollenstein, Cunti) 4:2. 60. (59:21) Suri (Walker, Julien Vauclair) 5:2 (ins leere Tor). - Strafen: 3mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 2mal 2 Minuten gegen Tschechien.

Schweiz: Berra; Seger, Julien Vauclair; Josi, von Gunten; Blindenbacher, Philippe Furrer; Blum, Grossmann; Niederreiter, Martin Plüss, Simon Moser; Walker, Trachsler, Bieber; Bodenmann, Cunti, Hollenstein; Suri, Gardner, Ambühl.

Tschechien: Salak; Michalek, Smid; Nakladal, Hejda; Caslava, Kutlak; Voracek, Hudler, Tlusty; Vrbata, Hanzal, Fleischmann; Hertl, Kovar, Tenkrat; Irgl, Novotny, Hubacek; Vrana.

Bemerkungen: Schweiz ohne Stephan, Monnet, Bürgler (alle überzählig) und Martin Gerber (Ersatztorhüter). Timeout Tschechien (57.). Tschechien von 56:44 bis 57:05 und von 57:22 bis 59:21 ohne Torhüter. - Schüsse: Schweiz 31 (15/9/7); Tschechien 38 (14/15/9). - Powerplay-Ausbeute: Schweiz (1/2); Tschechien (1/3).

(fest/Si)

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