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Spengler-Cup vor der Tür
Ostimporte, Exoten und der erneuerte HCD
publiziert: Mittwoch, 24. Dez 2014 / 09:00 Uhr
Der HCD mischt an der nationalen Spitze mit.
Der HCD mischt an der nationalen Spitze mit.

Der 88. Spengler-Cup steht ganz im Zeichen der KHL-Expansion. Gleich drei Teams der erweiterten russischen Elite-Liga fordern zwei führende NLA-Klubs und die kanadischen Dauergäste heraus.

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Mit dem Rekordsieger Davos ist wieder an vorderster Turnierfront zu rechnen. Arno Del Curto hat den Rekordmeister im Kern erneuert, ohne dabei in ein unruhiges Fahrwasser zu geraten. Der «ewige» HCD-Taktgeber - seit 1996 ist «ADC» im sportlichen Sektor der uneingeschränkte Projektleiter - stürmte mit seiner verjüngten Auswahl an die nationale Spitze. Vor allem im eigenen Stadion sind die dynamischen Bündner kaum zu stoppen - im Prinzip gute Vorzeichen für den 16. Triumph als Gastgeber. Und mit dem schwedischen Weltmeister-Trio Danielsson, Fransson und Persson der Lakers dürfte die Schubkraft der Bündner zusätzlich ansteigen.

Genève-Servette wird selbstredend das Veto einlegen. Die Westschweizer wollen ihren Coup vom Vorjahr mit aller Macht wiederholen. Chris McSorley, der feurige Trainer, Mitbesitzer und ehrgeizigste Klubvermarkter des Landes, schätzt die wichtigste Schweizer Hockey-Plattform ausserhalb der Liga enorm: «Das ist Schweizer Sport-Kultur pur.» Er verlangt von seiner Mannschaft eine tadellose Performance. Der GSHC ist zwar weniger gut besetzt als auch schon, aber die Passion ist ungebrochen. Den rauen Stil der Genfer goutieren nicht alle, das gereicht ihnen in «engen» Situationen womöglich zum Vorteil.

Keine politische Note

Auf politischer Ebene wird Russland wegen seiner Rolle im Ukraine-Konflikt von weiten Teilen Westeuropas mit Wirtschaftssanktionen belegt. Für den Spengler-Cup-Rink gelten die Restriktionen nicht. In Davos sind russische Hockey-Exponenten willkommener denn je. Die Hälfte des Teilnehmerfeldes stammt aus der Kontinental-Liga des aktuellen Weltmeisters.

«Grundsätzlich mache ich keine Politik», lässt sich Turnierchef Fredi Pargätzi gar nicht erst auf eine Debatte ein, ob eine so enge Kooperation mit dem russischen Hockeynetzwerk ein sinnvolles Signal sei. «Es ist nicht an mir, zu werten, wer recht hat. Wir im Westen haben wohl manchmal etwas die Tendenz, das Ganze nur von einem Standpunkt aus zu betrachten.»

Spannungen hin, Einwände her. Der Arm der KHL ist stark, und die Energieversorgung aus dem Osten kommt der Show vor dem Jahreswechsel zweifellos zupass. Der frühere Champion Salawat Julajew Ufa gehört zu den finanziellen Schwergewichten. Jokerit Helsinki und Zagreb sind die jüngsten Expansions-Teams der NHL-Herausforderer. Die Bilanz der KHL in Davos ist imposant: In den letzten sechs Jahren erreichten ihre Repräsentanten fünfmal mindestens den Final.

Team Canada mit Sorgen

Die Affiche des Spengler-Cups hängt immer auch von Bewegungen im globalen Hockey-Business ab. Vor zwei Jahren erwies sich der Lockout in Nordamerika als einmaliger Glücksfall. Statt in der NHL entzückten die kanadischen Olympia-Helden und Stanley-Cup-Sieger das Publikum im Bündner Kurort. Die TV-Reichweite war gigantisch - ein Eldorado für Sponsoren zur Primetime.

2014 interessiert sich selbstredend keiner der Multi-Millionäre mehr für die Exhibition in Davos. Steve Tambellini, derzeit als GM in der Verbandsauswahl engagiert, stiess bei der Rekrutierung einer kompetitiven Equipe auf einige Probleme. Die bis 2016 vertraglich gebundenen Selects gehören zwar zum Inventar des bekanntesten Klubturniers, aber das Reservoir an geeignetem Personal ist trotz 228 (!) kanadischen Professionals in den fünf wichtigsten Ligen Europas spürbar kleiner geworden. Zahlreiche Vereine signalisierten selbst bei einer angemessenen Entschädigung wenig Bereitschaft, ihre wichtigsten Akteure während der Altjahreswoche freizustellen.

Und in der NLA nimmt die Bedeutung der Professionals mit kanadischem Pass jährlich ab. Die Hauptrollen nehmen inzwischen vermehrt Puck-Künstler aus Skandinavien ein. Die Statistik der Torschützen und Assistgeber ist ein Beleg für die anhaltende Entwicklung - bei 50 Prozent der Top-16-Skorer ist Schwedisch oder Finnisch die Amtssprache.

Organisatoren sondieren neue Plätze

Aber nicht nur die Besetzung des Team Canada ist eine logistisch anspruchsvolle Herausforderung. Der Relaunch der aufgeblähten Champions League (mit mehreren Teilnehmern pro Liga) wirkt sich auch auf die Agenda von OK-Chef Fredi Pargätzi aus. Der Kreis valabler Kandidaten wurde weiter eingeengt, weil die Terminflut für viele Organisationen nicht mehr mit einer weiteren Turnier-Teilnahme vereinbar ist.

«Die Verhandlungen mit möglichen Interessenten aus der deutschen oder schwedischen Liga sind nicht wunschgemäss verlaufen», gibt Pargätzi zu. Deshalb sondierte er den überschaubaren Markt auch abseits der bekannten Zentren - und wurde in Zagreb fündig: «Medvescak hat sich aufgedrängt. Sie haben dort in den letzten Jahren etwas aufgebaut, das mich überzeugt - kommerziell, organisatorisch und vor allem auch sportlich.»

Die Destination sei womöglich exotisch, so Pargätzi, aber «ich habe den Verein besucht und war von der Qualität begeistert. In Zagreb ist Eishockey kein fremder Sport.» Für Medvescak gilt ohnehin: Hinter dem pro Spielzeit rund 10 Millionen Dollar teuren Produkt stehen jede Menge russische Investoren und nordamerikanisches Knowhow. Einige der 19 US- und Kanada-Professionals besitzen einen kroatischen Reisepass, die Landessprache beherrscht kaum einer. An der Bande steht der im letzten Frühling beim EVZ freigestellte Kanadier Doug Shedden.

Helsinkis Klasse

Derweil Zagreb im zweiten KHL-Winter aber ans Tableau-Ende abgesackt ist, hat sich der erstklassig bestückte Debütant Helsinki bereits an der Spitze etabliert. Das Team der zahlreichen Weltmeister wird von finnischen Grössen wie Niklas Hagman und Niko Kapanen angeführt. Auf der Gehaltsliste steht auch Linus Omark, Zugs letzter NLA-Topskorer.

Orchestriert wurde der in Finnland heftig umstrittene Liga-Transfer von Jari Kurri. Der 54-Jährige, in den Achtzigern zusammen mit Wayne Gretzky Protagonist des wohl spektakulärsten NHL-Sturms, lenkt das Führungsgremium. Der Einfluss des fünffachen Stanley-Cup-Gewinners tut Jokerit gut. Nur stellt sich dem Vernehmen nach die Frage, ob sich der Klub den teuren Apparat überhaupt leisten kann. Im November wurde der Lohn verspätet überwiesen.

(bg/Si)

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