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McCarthy legte den SCB lahm - 2:1 Sekunden vor der Sirene
publiziert: Dienstag, 17. Apr 2012 / 22:41 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 17. Apr 2012 / 23:15 Uhr

Die ZSC Lions haben in Bern auf fast beispiellose Weise den siebten Titel ihrer Vereinsgeschichte erzwungen: 2,5 Sekunden vor dem Ende markierte Steve McCarthy das entscheidende 2:1.

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Als längst nichts mehr nach Plan funktionierte und die Teams ihre letzten Energiereserven mobilisierten, setzten sie Lions zu ihrem ultimativen Angriff an. Ambühl, der unerschrockene Kämpfer löste mit seiner beherzten Fahrt in die gegnerische Zone bei den Gastgebern eine panische Abwehrreaktion aus, die für den SCB ungemein bitter endete.

Derweil der SCB einen Wimpernschlag vor dem Ende der regulären Spielzeit die Übersicht im Kollektiv verlor, rückte mit McCarthy ein Verteidiger in den Brennpunkt und katapulierte die Lions als neuer Meisterschütze ins grenzenlose Glück. Ausgerechnet er, den die Zürcher erst nach einem «Try-out» im Herbst von Turku übernahmen, beschloss eine turbulente Saison der Lions mit einem seiner wichtigsten Karriere.

Nach kurzem Studium der TV-Bilder anerkannten die Referees das zunächst kaum sichtbare Tor. Den über 16'000 SCB-Anhängern ist hoch anzurechnen, dass sie das harte Verdikt - Keeper Bührer war von mehreren Spielern an der Grenze des Erlaubten bedrängt worden - sportlich fair akzeptierten und eine absolut würdige Meisterfeier im Rink zuliessen.

Wieder ein geschichtsträchtiger Lions-Triumph

Mit einem 2:1-Sieg in der Overtime hatten die Lions am letzten Donnerstag ihre triumphale Rückkehr in die Finalserie eingeleitet. Drei Tage nach dem spektakulären Ausgleich in Zürich (6:3) erzwangen die Zürcher vor der grössten Kulisse Europas den totalen Umschwung und wiederholten so quasi ihrer Meisterstück von 2001 - damals zelebrierten sie gegen Lugano nach einem 1:3-Rückstand die Wende.

Zu einer Verlängerung wie in der Resega kam es zwar nicht, aber der goldene Treffer in der Schlussminute wird wohl aus Zürcher Optik ebenso lange in Erinnerung bleiben wie der Tessiner Coup von Morgan Samuelsson. Die Zürcher schlossen mit ihrem 39. und wichtigsten Sieg im 65. Spiel eine Saison im grossartigen Stil ab, die mit einer Serie von sechs Heimniederlagen höchst unbefriedigend begonnen hatte.

Bob Hartley, der unerbittliche, aber am Ende praktisch fehlerfreie Coach der Zürcher, korrigierte den Fehlstart seiner Equipe mit seinem ersten Schweizer Meisterstück auf beeindruckende Art. Der Stanley-Cup-Sieger von 2001 verewigte sich nun auch in der NLA. Klatschend und jubelnd verfolgte er die Feier auf dem Podium und sah, wie Mathias Seger die Trophäe zuerst Patrik Bärtschi übergab - er stand zum ersten Mal in seiner Laufbahn zuoberst auf dem Podium. Die grosszügige Geste des Captains passte zum meisterlichen Auftritt der Lions.

Zunächst dominanter SCB

Die negativen Prognosen und Berner Befürchtungen, die Vorteile könnten sich nach zwei Niederlagen in Folge endgültig zu Gunsten der Zürcher verschoben haben, bewahrheiteten sich zunächst nicht. Während zweier Drittel belagerten die Einheimischen die gegnerische Zone. Die Eindrücke der letzten fünf Tage schienen sich verflüchtigt zu haben. Nicht der SCB wankte, sondern die Zürcher schlingerten nun plötzlich wieder.

Antti Törmänen stellte seine Equipe erneut um und die Lions mit seinem Team vor verblüffend viele Probleme. Die personellen Rochaden auf den Positionen der Ausländer - Roche kam für Kwiatkowski und Dumont für Vigier - bewirkten aus Sicht der Berner den benötigten Schub. Er verpuffte aber, weil es die ineffizienten Berner partout nicht schafften, ihre Überlegenheit in Tore umzumünzen.

Erfolgreiches Prinzip Hoffnung

Im siebten Spiel gelangten auch die Lions im ersten Drittel zur Torpremiere. 42 Sekunden vor der Pause markierte Mark Bastl ohne Zürcher Vorwarnung mit der ersten halbwegs guten Offensivaktion das 1:0. Das «kuriose» Gegentor - Bastl schob den Querpass Monnets praktisch ins leere Tor - verschuldete Andreas Hänni. Der SCB-Verteidiger liess sich vom anstürmenden Ambühl zu einem unkontrollierten Abspiel verleiten.

Mit dem Fauxpas Hännis hatte ausser den vorpreschenden Lions wohl keiner der Gastgeber gerechnet. Sie waren dominant zur entscheidenden Partie gestartet. Die beiden nicht verwerteten Meisterpucks hinterliessen beim SCB keinerlei Spuren. Im Gegenteil: Nervös spielten vorwiegend die Zürcher. Bern kam früh zu Chancen (Gardner und Froidevaux in der 2. Minute), der ZSC hingegen beschränkte sich unter gewaltigem Druck zunächst ausschliesslich auf Befreiungsschläge und das Prinzip Hoffnung.

Dass die Lions mit ihrer «Strategie» irgendwann in eine prekäre Situation geraten würden, war absehbar, zumal der SCB auch nach dem missratenen Auftakt nicht von seinem Tempo-Hockey abrückte. Der Aufwand zahlte sich mit Verspätung aus: In der 22. Minute erzwang Ivo Rüthemann den Ausgleich; die Berner setzten vor dem Slot Flüelers so lange nach, bis die rote Lampe hinter dem Tor der Zürcher aufleuchtete.

Umstritten bis zur vorletzten Sekunde

Der jederzeit hochstehende Vergleich der Schweizer NLA-Giganten war auch im letzten Akt die erwartet umstrittene Angelegenheit. Das Ringen um den Titel ging in jeder Beziehung über die volle Distanz und beinhaltete das gesamte Programm: Intensität pur, ein Kampf um jeden Quadratzentimeter der Eisfläche, Big Saves der Keeper und zwei Coaches, die sämtliche Register zogen. Dazu passte auch Hartleys letzter Poker um die Besetzung der vierten Ausländerposition: Erst kurz vor dem ersten Puckeinwurf wurde öffentlich, dass Juraj Kolnik den verletzten Kanadier Blaine Down ersetzen würde.

Im letzten Spiel der Saison taumelten in der Schlussphase beim Stand von 1:1 beide Teams. Die Energie schwand bei jedem Akteur von Minute zu Minute mehr. Ein Konzept war nicht mehr erkennbar. In der mitreissenden Finalissima strebten sowohl die Berner als auch die Gäste den Meisterschuss an. Keinem stand in diesem faszinierenden Abnützungskampf der Sinn nach einer Verlängerung - am wenigstens offenbar Matchwinner McCarthy.

Bern - ZSC Lions 1:2 (0:1, 1:0, 0:1)
PostFinance-Arena. - 17'131 Zuschauer (ausverkauft). - SR Kurmann/Massy, Arm/Küng. - Tore: 20. (19:18) Bastl (Monnet, Ambühl) 0:1. 22. Rüthemann (Martin Plüss, Neuenschwander) 1:1. 60. (59:57,5) McCarthy (Tambellini, Ambühl) 1:2. - Strafen: 0mal 2 Minuten gegen Bern, 2mal 2 Minuten gegen ZSC Lions. - PostFinance-Topskorer: Ritchie; Tambellini.

Bern: Bührer; Kinrade, Philippe Furrer; Roche, Beat Gerber; Jobin, Hänni; Pascal Berger, Ritchie, Dumont; Neuenschwander, Martin Plüss, Rüthemann; Déruns, Gardner, Vermin; Scherwey, Froidevaux, Reichert.

ZSC Lions: Flüeler; Geering, Blindenbacher; McCarthy, Seger; Stoffel, Daniel Schnyder; Bastl, Pittis, Monnet; Kenins, Cunti, Tambellini; Patrik Bärtschi, Ambühl, Kolnik; Chris Baltisberger, Schäppi, Bühler; Schommer.

Bemerkungen: Bern ohne Vigier, Kwiatkowski, Dominic Meier, Adrian Brunner (alle überzählig), Morant (gesperrt) und Lötscher (verletzt), ZSC Lions ohne Cory Murphy, Ziegler, Ulmann, Phil Baltisberger (alle überzählig), Down und Camperchioli (beide verletzt).

 

(fest/Si)

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