In allen drei Turnierspielen führte die Schweiz nach dem ersten Drittel. Über die Zeit brachten sie diesen Vorsprung aber nie. Nach dem 2:4 gegen Deutschland vom Freitagabend resultierten übers Wochenende zuerst ein 3:2 nach Penaltyschiessen über die USA und schliesslich ein 1:2 gegen die Slowakei, den Gewinner des Deutschland-Cup. Sean Simpsons Analyse fiel nach allen Partien ähnlich aus: «Auch gegen die Slowakei verpassten wir es wieder, mit zwei, drei oder sogar vier Toren in Führung zu gehen. Im Schlussabschnitt wurden wir dafür bestraft.»
Bis zur 44. Minute währte am Sonntag gegen die Slowakei die Schweizer Führung. Dann bewerkstelligten Marcel Hossa und Libor Hudacek innerhalb von sechs Minuten die Wende. Die besten Schweizer Möglichkeiten vergaben Andrej Bykow, Julien Sprunger, Damien Brunner und Inti Pestoni beim Stand von 1:0. In den letzten zwei Minuten boten sich nochmals Brunner und Sprunger gute Ausgleichschancen. Andererseits erspielten sich aber auch die Slowaken in der zweiten Spielhälfte, die sie dominierten, zahlreiche Möglichkeiten.
Licht und Schatten
Insgesamt lieferte das Schweizer Team in München Licht und Schatten. Zu den Pluspunkten zählte zweifellos das Nationalmannschafts-Debüt des 20-jährigen Inti Pestoni, der gegen die Slowakei in seinem ersten Länderspiel nach zwölf Minuten auch gleich das erste Tor erzielte. Ausserdem zeigte Goalie Reto Berra zwei starke Leistungen und insgesamt 65 Paraden in 110 Minuten (bei 4 Gegentoren). Am Sonntag wurde Berra nach 15 Minuten eingewechselt, weil Daniel Manzato mit einer Oberschenkelprellung ausschied. Die vielen jungen Schweizer Nationalmannschafts-Probables demonstrierten ausserdem grosse Leistungsbereitschaft unter erschwerten Bedingungen.
Weniger gut war, dass die Schweiz zum dritten Mal hintereinander gegen Deutschland verlor und den angestrebten Turniersieg klar verfehlte. Die Ordnung auf dem Eis und im Umfeld des Teams, welches das Schweizer Hockey in den letzten 15 Jahren ausgezeichnet hat, geht langsam verloren.
Schrumpfendes Aufgebot
Die Gesamtbilanz des ersten Zusammenzugs der Saison fiel so eher trist aus. «Alles passte irgendwie ins (schiefe) Bild», seufzte sogar Nationalcoach Sean Simpson. Sieben Spieler sagten ihm seit Erlass des Aufgebots wegen Verletzungen ab (Ambühl, Bieber, Bürgler, Déruns, Du Bois, Hirschi, Wick). Weitere acht Akteure (Blum, Gobbi, Lüthi, Manzato, Moser, Romy, Steinmann, Vauclair) fielen während der Woche mit Blessuren aus. Nicht weniger als 53 Spieler erhielten für diese Woche ein Aufgebot, 29 reisten nach München mit, trotzdem standen am Sonntag bloss noch sechs Verteidiger zur Verfügung.
Sean Simpsons Zielvorgabe, auch mit dieser jungen Mannschaft das Turnier zu gewinnen, geriet bereits am Samstag nach dem Punktverlust gegen das schwache USA-Team ausser Reichweite. Simpson haderte mit dem Schweizer Referee Didier Massy, der am Freitagabend in der Schlussphase der Partie gegen Deutschland (2:4) den vermeintlichen 3:3-Ausgleich möglicherweise zu Unrecht annulliert hatte. «Dann wäre dieses Turnier für uns womöglich ganz anders gelaufen», so Simpson. Andererseits bot sich den Schweizern auch nach der Startniederlage gegen Deutschland noch die Chance, mit zwei Siegen in 60 Minuten das Turnier aus eigener Kraft zu gewinnen. Simpson coachte aber in der Schlussphase der Partie gegen die USA beim Stand von 2:2 nicht auf Sieg. Er nahm kein Timeout und auch nicht den Goalie zu Gunsten eines zusätzlichen Stürmers vom Eis. Die Schweizer setzten sich zwar im Penaltyschiessen durch, um im Rennen für den Turniersieg zu verbleiben war dieser Sieg aber zuwenig.
Brunner als Verteidiger
Bemerkenswert war ausserdem, dass am Sonntag Damien Brunner, der aktuelle Topskorer in der National League (15 Tore und 12 Assists in 21 Spielen) als Verteidiger eingesetzt wurde. Auch Fabian Schnyder half als Back aus, weil nach den Ausfällen von Eric Blum, John Gobbi und Simon Lüthi bloss noch sechs Verteidiger zur Verfügung standen. Brunner wusste auch in der Defensive zu gefallen und blieb auch aus dieser Position einer der gefährlichsten Schweizer. Brunner: «Auch beim EV Zug haben wir in dieser Saison schon in dieser Art experimentiert. Bei uns spielte Josh Holden den Part des vierten Stürmers.»
Sean Simpson entschuldigte sich am Samstag noch für die Aussagen vom Freitag, als er nach der Niederlage gegen Deutschland die Eisqualität thematisiert hatte. Simpson: «Das Eis war wirklich nicht gut. Aber meine Äusserungen hätten nicht als Ausrede rüberkommen sollen. Mich ärgerte nur, weil mit Simon Moser einer meiner Spieler wegen des Eises in die Bande stürzte und sich dabei eine Hirnerschütterung zuzog.»
(fest/Si)