Eishockey/WM03: Schweiz verliert gegen Slowakei 1:3
publiziert: Mittwoch, 7. Mai 2003 / 20:59 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 8. Mai 2003 / 07:42 Uhr

Die Schweiz unterlag in den Viertelfinals erwartungsgemäss vor 12 723 Zuschauern in Helsinki WM-Titelhalter Slowakei nach einer 1:0-Führung mit 1:3.

Der Schweizer Mathias Seger gegen den Slovaken Richard Zednik.
Der Schweizer Mathias Seger gegen den Slovaken Richard Zednik.
Es war eine ärgerliche, eine bittere Niederlage; denn die Qualifikation für die Halbfinals wäre trotz des starken Gegners möglich gewesen. Die Schweizer gingen bei doppelter Überzahl durch das fünfte WM-Tor von Martin Plüss nach einer Viertelstunde 1:0 in Führung und verteidigten diesen Vorsprung 13 Minuten lang.

Sie kontrollierten in dieser Phase die Partie gut, "der erste Abschnitt war sogar perfekt", so Ralph Krueger. Die Schweizer besassen durch Valentin Wirz in Unterzahl (8.), durch Flavien Conne (14.) und Sandy Jeannin (17.) sogar ausgezeichnete Möglichkeiten für zumindest einen weiteren Treffer.

Das 2:0 fiel aber nicht. Und genau in diesem Umstand lag am Ende die Differenz zwischen dem Weltmeister Slowakei und Aussenseiter Schweiz aus. Coach Ralph Krueger: "Die Slowaken spielten eiskalt. Sie nutzten unsere Fehler und blieben selbst in Rückstand liegend völlig cool. Genau das haben sie uns voraus: Als wir die Chance hatten, den Widerstand zu brechen, brachten wir den Puck nicht ins Tor."

Shorthander brachte Wende

Das war schon in der Vorrunde gegen Russland (2:5 nach 1:0) und in der Zwischenrunde gegen Schweden (2:5 nach 1:0) so. Gegen die Slowakei wurde die Wende in der 28. Minute eingeleitet - wie schon gegen die Russen in Überzahl (!).

Im Powerplay kam Verteidiger Martin Steinegger an vorderster Front durch gegnerische Einwirkung zu Fall und fehlte danach im Gegenangriff in der Abwehr. Richard Kapus von Slovan Bratislava umspielte Beat Forster und bezwang den erneut starken Torhüter Marco Bührer zum 1:1.

Die Schweizer spielten auch nach dem Ausgleichstreffer nicht schlechter, aber sie zeigten sich für einige Minuten geschockt. Die Entscheidung zu Gunsten der Slowaken fiel unmittelbar vor und nach der zweiten Pause: 47 Sekunden vor Ende des zweiten Abschnitts erzielte Slowaken-Captain Miroslav Satan (Buffalo Sabres) in Überzahl das 2:1; nach 63 Sekunden des Schlussdrittels gelang wieder Satan das 3:1. Satan war vor einem Jahr beim ersten WM-Titelgewinn der Slowaken in Schweden der Turnier-MVP und scheint jetzt für die entscheidende WM-Phase erneut in Schwung zu kommen.

Beachtlich war in der Folge der Kampfgeist und die Moral, welche die Schweizer selbst nach dem 1:3 ins Spiel warfen. Krueger: "Die Spieler wollten das Resultat nicht akzeptieren. Sie reagierten auf das 1:3 mit den besten 18 Minuten, die ich jemals von der Schweizer Mannschaft gesehen habe.

Für den Kampf und die Arbeit während des ganzen Turniers gebe ich den Spielern die Note 6!" Die Schweizer dominierten mit ihrer Leidenschaft den Schlussabschnitt (14:5 Schüsse). Es wären noch genügend Chancen zur Wende vorhanden gewesen -- der slowakische Goalie Jan Lasak (Nashville Predators) hielt aber alles.

Überragender Plüss

Die Schweizer WM-Bilanz fällt ausgesprochen positiv aus. Die Leistung stimmte in allen sieben Spielen. Zum ersten Mal an einer A-WM und erstmals seit Olympia 1952 gewann die Schweiz an einem Turnier drei Spiele. Dennoch wurden die Viertelfinals bloss wegen zwei mehr erzielter Tore (bei gleicher Punktzahl und gleichem Torverhältnis) gegenüber Lettland erreicht.

Und hätten die Russen, was normal gewesen wäre, beim Stand von 1:2 gegen die Letten den Torhüter durch einen zusätzlichen Feldspieler ersetzt, und hätten die Letten dann ins leere Tor noch das 3:1 gemacht, dann hätten selbst drei Siege nicht zur Viertelfinalqualifikation ausgereicht.

Das zeigt: Die Schweiz wird auch künftig nicht an jeder WM den Sprung unter die besten acht schaffen. Dazu braucht es stets auch etwas Glück. Die Mannschaftsleistung ist für die Zukunft indes aufregend. Die Schweiz stellte in Finnland die jüngste der 16 Equipen. Wenn die Mannschaft zusammenbleibt und sich weiter entwickelt, dann kann sich dieses Team vielleicht irgendwann mal den Medaillentraum erfüllen.

Die Schweizer überzeugten wie immer, wenn sie Erfolg haben, durch ihr Kollektiv. Dennoch: Überragend war der Klotener Martin Plüss -- und nicht nur wegen seiner fünf Tore. Nicht nur die Los Angeles Kings sind in Finnland auf den Powercenter aufmerksam geworden. Bei der Auszeichnung der besten Spieler ging Plüss indes leer aus (Wer hat da gewählt?): Geehrt wurden Marco Bührer, Mathias Seger und als bester Stürmer Luca Cereda.

von Rolf Bichsel, Helsinki

Slowakei - Schweiz 3:1 (0:1, 2:0, 1:0)

Hartwall-Arena, Helsinki. -- 12 723 Zuschauer (ausverkauft). -- SR Matsuoka (Ka), Karlsson/Redding (Sd/USA). -- Tore: 15. Martin Plüss (Seger/Ausschlüsse Strbak, Demitra) 0:1. 28. Kapus (Visnovsky/Ausschluss Nagy!) 1:1. 40. (39:13) Satan (Stümpel, Palffy/Ausschluss Seger) 2:1. 42. Satan (Svehla) 3:1. -- Strafen: 6mal 2 Minuten gegen die Slowakei, 4mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Slowakei: Lasak; Visnovsky, Strbak; Svehla, Suchy; Lintner, Majesky; Cierni, Milo; Palffy, Stümpel, Zednik; Satan, Demitra, Bondra; Orszagh, Miroslav Hlinka, Nagy; Radivojevic, Kapus, Vaic.

Schweiz: Bührer; Seger, Forster; Olivier Keller, Streit; Blindenbacher, Steinegger; Jeannin, Aeschlimann, Paterlini; Bezina, Cereda, Patrick Fischer; Della Rossa, Martin Plüss, Patrik Bärtschi; Björn Christen, Conne, Wichser; Wirz.

Bemerkungen: Schweiz ohne Weibel (Ersatz), Lukas Gerber (nicht eingesetzt), Jenni (verletzt), Tobias Stephan und Patrick Fischer II (beide überzählig). -- Pfostenschüsse: Miroslav Hlinka (3.), Bondra (8.), Demitra (18./60.). -- Powerplay-Ausbeute: Slowakei 1/4; Schweiz 1/5 (ein Shorthander kassiert). -- Schüsse: Slowakei 29 (14-10-5); Schweiz 32 (10-8-14).

(bert/sda)

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